Juli 2026

Von Outbound Marketing zu Real-Time Marketing: der Umstieg auf Customer Insights Journeys

Der Umstieg ist seit Mai 2026 abgeschlossen. Was nicht automatisch migriert und wie Sie in Customer Insights Journeys wieder handlungsfähig werden.

Julian Kissel
Gründer & CEO
Umstieg von Outbound Marketing auf Real-Time Marketing in Dynamics 365 Customer Insights Journeys

Das Outbound-Marketing-Modul von Dynamics 365 Customer Insights Journeys wurde im Mai 2026 vollständig aus allen Umgebungen entfernt. Damit ist der Umstieg auf Real-Time Marketing keine Option mehr, die man aufschieben kann, sondern ein abgeschlossener Fakt. Wer Outbound noch aktiv nutzte, steht heute nicht vor einer Migration, sondern vor einem Neuaufbau in Real-Time. Dieser Artikel erklärt, was sich geändert hat, was nicht automatisch übernommen wurde und wie Sie in Customer Insights Journeys wieder handlungsfähig werden.

Was sich mit der Entfernung im Mai 2026 geändert hat

Microsoft hatte die Ablösung von Outbound lange angekündigt. Bereits ab Juli 2023 gab es keine neuen Outbound-Funktionen und keine Neukunden mehr, ab Mitte 2025 lief ein mehrstufiger, technischer Abschaltprozess. Im Mai 2026 folgte der letzte Schritt: Das Modul wurde aus allen Umgebungen entfernt, der Sitemap-Eintrag verschwand und die zugehörigen Outbound-Dienste wurden abgeschaltet. Microsoft dokumentiert die Details in seinen Hinweisen zur Outbound-Entfernung.

Die wichtigste Konsequenz: Es gibt keine Migrationsassistenten und keine automatische Übernahme. Ihre Kontakte und die meisten Daten bleiben zwar bestehen, die aktiven Marketing-Assets aus Outbound funktionieren in Real-Time jedoch nicht. Wer bis zuletzt gewartet hat, arbeitet daher mit einem leeren Real-Time-Bereich und baut Segmente, Inhalte und Journeys von Grund auf neu. Das ist weniger dramatisch, als es klingt, verlangt aber eine klare Reihenfolge und ein realistisches Zeitfenster.

Hintergrund der Ablösung ist eine grundlegende Modernisierung. Outbound stammte technisch aus einer früheren Generation der Marketing-Automation und war stark auf geplante Massenversände ausgelegt. Real-Time Marketing setzt dagegen auf eine skalierbare Plattform, die Ereignisse einzelner Kontakte in Echtzeit verarbeitet und über mehrere Kanäle reagiert. Statt zwei parallele Module zu pflegen, hat Microsoft die Weiterentwicklung vollständig auf Real-Time konzentriert. Für Anwender heißt das: Der Funktionsumfang wächst nur noch dort, und ein Verbleib auf Outbound war nie eine tragfähige Dauerlösung.

Was nicht automatisch migriert

Der zentrale Denkfehler beim Umstieg ist die Annahme, dass die alten Bausteine in Real-Time weiterlaufen. Sie tun es nicht. Die folgenden Punkte fassen zusammen, was übernommen wird und was Sie neu aufbauen. Einen breiteren Überblick über die Marketing-Bausteine gibt unser Leitfaden zu Dynamics 365 Marketing und Lead-Management.

Segmente

Outbound-Segmente sind teilweise noch sichtbar, aber nicht mehr nutzbar. Der Grund ist technisch: Die eigentliche Mitgliederliste eines Segments lag in einer internen Tabelle, die entfernt wurde. Die reine Abfragedefinition bleibt zwar in der Tabelle msdyncrm_segment erhalten, die Segmente werden aber nicht mehr aktualisiert und dürfen nicht verwendet werden. Sie definieren Ihre Zielgruppen in Real-Time über neue, dynamische Segmente neu.

E-Mails, Formulare, Journeys und Lead-Scoring

Assets wie E-Mails, Content-Blöcke, Formulare, Marketingseiten, Journeys, Vorlagen und Lead-Scoring-Modelle wurden nicht gelöscht, lassen sich in Real-Time aber nicht verwenden. Sie sind Archivbestand, keine Arbeitsgrundlage. Konkret bedeutet das: Jedes E-Mail-Template, jedes Anmeldeformular, jede mehrstufige Journey und jedes Scoring-Modell entsteht in Customer Insights Journeys neu. Das ist zugleich die Gelegenheit, veraltete Inhalte und tote Journeys nicht mitzuschleppen.

Events, Marketinglisten und Analytics

Events nutzen dieselben Tabellen wie früher, in Outbound erstellte Events sind in Real-Time jedoch nicht verwendbar und müssen über die Oberfläche oder API neu angelegt werden, weil sich Event-Formulare und Seiten zwischen den beiden Welten unterscheiden. Marketinglisten sind eine Sales-Entität und bleiben nutzbar, Sie können sie in dynamische Segmente einbeziehen. Die Outbound-Analytics wurden mit den Real-Time-Daten zusammengeführt, bestehende Power-BI-Berichte müssen aber auf die neuen Datenquellen über Microsoft Fabric umgestellt werden, weil Format und Zugriff sich unterscheiden.

Ein praktischer Rat für den Bestand: Bevor Sie die alten Assets endgültig links liegen lassen, lohnt sich eine kurze Inventur. Dokumentieren Sie, welche Journeys, E-Mails und Formulare wirklich in Betrieb waren, welche Segmente die höchste Reichweite hatten und welche Scoring-Schwellen sich bewährt haben. Diese Bestandsaufnahme ist die Vorlage für den Neuaufbau und verhindert, dass funktionierende Logik im Umstieg verloren geht. Die Rohdaten selbst bleiben über das Power-Apps-Maker-Portal erreichbar, auch wenn die alte Oberfläche verschwunden ist.

Outbound und Real-Time im direkten Vergleich

Real-Time Marketing ist kein Nachbau von Outbound mit neuer Oberfläche, sondern ein anderes Modell. Statt Kampagnen über feste Segmente zu einem geplanten Zeitpunkt zu versenden, reagiert Real-Time auf das Verhalten einzelner Kontakte. Microsoft beschreibt die Grundidee anhand von Wer, Was und Wann in seiner Übersicht zu Customer Insights Journeys. Die folgende Tabelle stellt die Kernunterschiede gegenüber.

KriteriumOutbound Marketing (entfernt)Real-Time Marketing
StatusSeit Mai 2026 entferntAktiv und weiterentwickelt
AuslöserSegment plus geplanter ZeitpunktTrigger und Verhalten in Echtzeit
KanäleVor allem E-MailE-Mail, SMS und Push
SegmenteStatisch und dynamisch, jetzt inaktivDynamisch, in Echtzeit ausgewertet
PersonalisierungRegelbasiertKI-gestützte Empfehlungen
Migration der AssetsKeine automatische ÜbernahmeNeuaufbau erforderlich

Der Perspektivwechsel von der geplanten Kampagne zur ereignisgesteuerten Journey ist der eigentliche Kern des Umstiegs. Wer ihn versteht, baut nicht die alten Abläufe eins zu eins nach, sondern nutzt Trigger, die auf konkrete Kundenaktionen reagieren.

So bauen Sie in Customer Insights Journeys neu auf

Ein sauberer Neuaufbau folgt einer klaren Reihenfolge, damit Sie schnell wieder senden können, ohne die Datenqualität zu opfern. Wichtig ist, nicht alles gleichzeitig zu starten, sondern mit einer klar umrissenen ersten Journey produktiv zu gehen und von dort auszubauen. So sammeln Sie früh Erfahrung mit Triggern und Echtzeit-Segmenten, statt den gesamten alten Bestand blind zu kopieren.

  • Grundlagen und Compliance zuerst. Prüfen Sie Absenderdomänen, Authentifizierung und Zustellbarkeit, bevor die erste Real-Time-Mail rausgeht. Wie Sie verhindern, dass Ihre Nachrichten im Spam landen, zeigt unser Beitrag dazu, warum Dynamics-365-Marketing-Mails im Spam landen.
  • Segmente neu definieren. Statt die inaktiven Outbound-Segmente zu kopieren, formulieren Sie Zielgruppen als dynamische Real-Time-Segmente auf Basis aktueller Kontakt- und Interaktionsdaten. Marketinglisten aus Sales lassen sich einbinden.
  • Content und Vorlagen aufbauen. Legen Sie E-Mail-Vorlagen, Content-Blöcke und Formulare in Real-Time neu an. Nutzen Sie den Neustart, um veraltete Inhalte auszusortieren und ein konsistentes Vorlagen-Set zu schaffen.
  • Journeys als Trigger entwerfen. Übersetzen Sie Ihre bisherigen Abläufe in trigger-basierte Journeys. Für kanalübergreifende Abläufe hilft unser Leitfaden zur Multichannel-Journey-Orchestrierung in Dynamics 365 Marketing.
  • Scoring und Reporting neu verdrahten. Definieren Sie Lead-Scoring in Real-Time neu und stellen Sie Berichte auf die konsolidierten Daten über Microsoft Fabric um.

Worauf Sie beim Umstieg achten sollten

Drei Punkte entscheiden darüber, ob der Neuaufbau reibungslos läuft. Erstens die Zustellbarkeit: Real-Time nutzt andere Sendeinfrastruktur, weshalb Domänen-Authentifizierung und Aufwärmphase früh eingeplant gehören. Zweitens der Consent: Prüfen Sie, dass Einwilligungen sauber in das Real-Time-Consent-Modell überführt und respektiert werden, bevor Sie versenden. Drittens die Datenqualität, denn dynamische Segmente sind nur so gut wie die zugrunde liegenden Kontaktdaten.

Planen Sie außerdem eine Testphase mit kleinem Volumen ein, bevor Sie große Journeys scharf schalten. Ein häufiger Fehler ist, den Neuaufbau als reine Nachbildung des alten Setups zu behandeln. Real-Time entfaltet seinen Wert erst, wenn Sie ereignisgesteuert denken und nicht bloß den nächsten Kampagnenversand planen.

Achten Sie zusätzlich auf die Rechteverteilung und die Solution-Struktur. Real-Time Marketing bringt eigene Sicherheitsrollen mit, und wer bislang nur Outbound-Berechtigungen hatte, kann ohne Anpassung nicht sofort arbeiten. Halten Sie neue Segmente, E-Mails und Journeys sauber in einer eigenen Lösung, damit sich der Bestand später kontrolliert zwischen Test- und Produktivumgebung transportieren lässt. Und behalten Sie im Blick, dass externe Systeme, die früher Outbound-Datensätze über Plugins gelesen oder geschrieben haben, ins Leere laufen können. Solche Schnittstellen gehören auf die Real-Time-Strukturen umgezogen, bevor sie stillschweigend Fehler produzieren.

Der Umstieg ist erzwungen, aber er ist auch die Chance, ein aufgeräumtes, modernes Marketing-Setup ohne Altlasten aufzubauen. Wenn Sie noch mit einem leeren Real-Time-Bereich starten oder Ihren Neuaufbau strukturiert angehen wollen, sprechen Sie uns an. Wir planen Segmente, Content und Journeys mit Ihnen so, dass Sie schnell wieder senden und dabei Datenqualität und Zustellbarkeit im Griff behalten.

Häufig gestellte Fragen

Wurde Outbound Marketing wirklich vollständig entfernt?

Ja. Microsoft hat das Outbound-Marketing-Modul im Mai 2026 aus allen Umgebungen von Dynamics 365 Customer Insights Journeys entfernt. Der Sitemap-Eintrag und die zugehörigen Dienste sind weg. Es handelt sich nicht mehr um eine Ankündigung oder eine Empfehlung, sondern um einen abgeschlossenen Zustand.

Werden meine Outbound-Segmente und E-Mails automatisch nach Real-Time übernommen?

Nein. Es gibt keine automatische Migration. Outbound-Segmente sind zwar teilweise noch sichtbar, werden aber nicht mehr aktualisiert und sind nicht nutzbar, weil die eigentliche Mitgliederliste in einer internen Tabelle lag, die entfernt wurde. E-Mails, Formulare, Journeys und Lead-Scoring-Modelle wurden nicht gelöscht, lassen sich in Real-Time aber nicht verwenden. Alle diese Assets müssen neu aufgebaut werden.

Gehen meine Daten beim Umstieg verloren?

Die meisten Tabellen und Daten aus Outbound bleiben erhalten und sind über das Power-Apps-Maker-Portal erreichbar. Kontakte und Interaktionsdaten bleiben bestehen, die Outbound-Analytics wurden mit den Real-Time-Daten zusammengeführt. Marketinglisten sind eine Sales-Entität und lassen sich in Real-Time weiter über dynamische Segmente nutzen. Nur bestimmte interne Strukturen und die Outbound-Oberfläche wurden entfernt.

Funktionieren meine alten Power-BI-Berichte weiter?

Bestehende Power-BI-Berichte, die auf Outbound-Daten aufsetzen, funktionieren nicht mehr unverändert, weil sich Format, Speicherort und Zugriffsmethode in Real-Time unterscheiden. Die Datenmodelle sind zwar ähnlich, Sie müssen bestehende Berichte und Pipelines aber auf die neuen Datenquellen über Microsoft Fabric umstellen.

Was ersetzt das Lead-Scoring aus Outbound Marketing?

Real-Time Marketing bringt ein eigenes Lead-Scoring mit, das auf den Real-Time-Interaktionen und Triggern basiert. Die alten Outbound-Scoring-Modelle sind nicht nutzbar und lassen sich nicht übertragen. Sie definieren Ihre Bewertungslogik in Real-Time neu und verbinden sie mit den neu gebauten Journeys und Segmenten.

Wie lange dauert ein Neuaufbau in Real-Time typischerweise?

Das hängt vom Umfang ab. Ein schlanker Bestand aus wenigen Journeys, Standard-Segmenten und einer Handvoll E-Mail-Vorlagen lässt sich in wenigen Wochen produktiv aufbauen. Umfangreiche Setups mit vielen Formularen, komplexem Scoring und individuellen Berichten brauchen länger, vor allem wegen Datenprüfung, Consent und Testphasen.

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