Juli 2026

Lead- und Case-Zuweisung automatisieren: Round Robin oder Capacity-Algorithmus?

Faire Reihum-Verteilung oder Auslastung nach Kapazität. Wann welche Zuweisungsmethode in Dynamics 365 die bessere Wahl ist.

Jan Bettinger
COO & CPO
Lead- und Case-Zuweisung in Dynamics 365 per Round Robin oder Capacity-Algorithmus

Dynamics 365 kann Leads und Cases automatisch verteilen, und die beiden verbreitetsten Verfahren sind Round Robin und Capacity. Round Robin verteilt reihum und vergibt den nächsten Datensatz an die Person, die am längsten auf eine Zuweisung gewartet hat. Capacity, in Dynamics 365 Sales als Load Balancing bezeichnet, richtet sich nach der freien Kapazität und vergibt an die am wenigsten ausgelastete Person. Der Unterschied klingt klein, entscheidet aber darüber, ob Ihr Team gleiche Stückzahlen oder gleiche tatsächliche Last trägt.

Dieser Beitrag vergleicht die Methoden konkret, benennt die Voraussetzungen und die typischen Stolpersteine und gibt eine Entscheidungshilfe. Er baut auf dem allgemeinen Überblick zum Lead-Routing mit Dynamics 365 auf und geht gezielt auf die Algorithmen ein.

Welche Optionen Dynamics 365 für die Zuweisung bietet

Für die automatische Verteilung gibt es je nach App zwei Welten, die sich technisch unterscheiden.

Assignment Rules in Dynamics 365 Sales

Der Sales Accelerator verteilt neue und aktualisierte Leads, Verkaufschancen und Insights über sogenannte Assignment Rules. Jede Regel wählt über Kriterien eine Gruppe passender Verkäufer aus und verteilt dann nach einem von zwei Verfahren: Round Robin oder Load Balancing. Bei Round Robin zählt allein der Zeitpunkt der letzten Zuweisung, bei Load Balancing die freie Kapazität. Details beschreibt Microsoft in der Dokumentation zur Datensatzverteilung in Assignment Rules.

Unified Routing für Cases und Konversationen

Für Cases, Chats, Anrufe und andere Arbeitselemente nutzt Dynamics 365 Customer Service das leistungsfähigere Unified Routing. Es klassifiziert eingehende Arbeit, ordnet sie einer Warteschlange zu und weist sie dann über eine Assignment Method zu. Sofort nutzbar sind Highest Capacity, Advanced Round Robin und Least Active. Wer mehr Kontrolle braucht, baut über Priorisierungs- und Zuweisungsregelsätze eine eigene Methode. Wie sich das in eine kanalübergreifende Servicestrategie einfügt, zeigt der Beitrag zu Omnichannel-Routing-Strategien in Dynamics 365.

Klassische Regeln und Power Automate

Daneben existieren die klassischen Fallzuweisungsregeln aus Customer Service und die freie Automatisierung über Power Automate. Beide sind flexibel, bringen aber keinen echten Round-Robin- oder Kapazitätsalgorithmus mit. Wer reihum oder nach Auslastung verteilen will, müsste die Logik selbst nachbauen, inklusive eines Zählers und einer Kapazitätsabfrage. Für die meisten Teams ist das mehr Wartungslast als Nutzen, solange die eingebauten Methoden das Szenario abdecken.

Round Robin, Capacity und regelbasiert im Vergleich

Die drei Ansätze verfolgen unterschiedliche Ziele. Round Robin optimiert auf gleiche Stückzahlen, Capacity auf gleiche Auslastung, und die regelbasierte, benutzerdefinierte Methode auf maximale Kontrolle.

KriteriumRound RobinCapacity (Load Balancing)Regelbasiert (Custom)
EntscheidungsfaktorZeitpunkt der letzten ZuweisungHöchste freie KapazitätFrei definierte Order-by-Kriterien
VerteilungszielGleiche Stückzahl pro PersonGleiche tatsächliche LastBeliebig, je nach Regel
Braucht KapazitätswerteNeinJa, Einheiten oder ProfileOptional, je nach Regel
Braucht Präsenz und VerfügbarkeitOptionalJaJa, muss konfiguriert werden
Tiebreaker bei GleichstandEntfälltRound RobinSelbst festgelegt
KonfigurationsaufwandGeringMittelHoch
Typischer EinsatzHomogene Teams, gleichartige VorgängeUngleiche Auslastung, verschieden große VorgängeSkills, Regionen, VIP-Priorisierung

So arbeitet Round Robin

Round Robin gibt den Datensatz an die Person, die am längsten keine Zuweisung mehr erhalten hat. In Dynamics 365 Sales wird diese Reihenfolge auf Organisationsebene gespeichert, nicht pro Regel. Das ist wichtig, weil auch manuelle Zuweisungen und selbst angelegte Datensätze mitzählen. Legt ein Verkäufer selbst einen Lead an, wird er automatisch dessen Besitzer und rutscht in der Reihenfolge nach hinten. So verteilt der Algorithmus fair, kann aber über mehrere Regeln hinweg ungleich wirken.

So arbeitet Capacity

Beim Load Balancing vergleicht das System die freie Kapazität der infrage kommenden Personen und vergibt an die mit dem höchsten Wert. Haben zwei Personen dieselbe freie Kapazität, entscheidet Round Robin als Tiebreaker. Wichtig: Load Balancing berücksichtigt nur Personen, die zum Zeitpunkt der Verteilung verfügbar sind. Ist niemand verfügbar, fällt die Regel automatisch auf Round Robin zurück. In Unified Routing entspricht dem die Methode Highest Capacity, die zusätzlich Skills und erlaubte Präsenzzustände prüft.

So arbeitet die regelbasierte Methode

Wer die eingebauten Methoden nicht ausreichen findet, baut in Unified Routing eine eigene Zuweisungsmethode aus zwei Bausteinen: einem Priorisierungsregelsatz, der die Reihenfolge der Arbeitselemente in der Warteschlange bestimmt, und einem Zuweisungsregelsatz, der die passenden Mitarbeiter auswählt und über ein Order-by-Feld sortiert. Als Order-by stehen unter anderem Round Robin, einheitenbasierte Kapazität, profilbasierte Kapazität, Proficiency und Skill-Anzahl zur Wahl. Damit lassen sich Szenarien wie Skill-basiertes Routing oder VIP-Priorisierung abbilden. Der Preis ist deutlich höherer Konfigurations- und Testaufwand.

Voraussetzungen, ohne die keine Methode zuverlässig läuft

Die Zuweisung ist nur so gut wie die Daten dahinter. Drei Voraussetzungen sind entscheidend.

  • Kapazität: Für jede kapazitätsbasierte Methode müssen Werte gepflegt sein. Das kann eine einfache Einheitenzahl pro Person sein oder ein Kapazitätsprofil, das pro Vorgangsart einen Verbrauch definiert, etwa dass ein Chat weniger Kapazität bindet als ein komplexer Case. Fehlt der Wert, findet das System keine gültige Auslastung.
  • Präsenz: Unified Routing weist nur Personen zu, deren Präsenzstatus zu den in der Workstream erlaubten Zuständen passt, etwa Verfügbar oder Beschäftigt. Ohne gepflegte Präsenz bleibt eine Person unsichtbar für die automatische Zuweisung.
  • Verfügbarkeit: In Sales lässt sich festlegen, dass ein Datensatz nur an Personen geht, die innerhalb eines definierten Zeitfensters von einer bis 120 Stunden laut Kalender arbeiten. Ist niemand rechtzeitig verfügbar, bleibt der Datensatz unzugewiesen.

Ein oft übersehenes Detail zum Timing: Für Konversationen startet ein Zuweisungszyklus sofort. Für Datensätze wie Leads und Cases arbeitet Unified Routing zusätzlich mit einem periodischen Trigger etwa alle fünf Minuten. Wer sofortige Zuweisung für jeden Case erwartet, sollte das einplanen. Details zu den Methoden liefert die Microsoft-Dokumentation zu den Assignment Methods in Unified Routing.

Typische Stolpersteine in der Praxis

In Projekten sehen wir immer wieder dieselben Muster, die eine an sich korrekte Konfiguration entwerten.

  • Ungleiche Verteilung trotz Round Robin: Meist zählen manuelle Zuweisungen und selbst angelegte Datensätze in die organisationsweite Reihenfolge hinein. Wer viel manuell zuweist, verschiebt die Fairness. Lösung ist, manuelle Eingriffe zu reduzieren oder die Erwartung an die Verteilung anzupassen.
  • Fehlende Kapazitätswerte: Bei Load Balancing ohne gepflegte Kapazität greift stillschweigend der Round-Robin-Fallback, und alle wundern sich, warum die Auslastung ignoriert wird. Vor der Aktivierung immer prüfen, ob Kapazität und Profile hinterlegt sind.
  • Negative freie Kapazität: In Sales kann die verfügbare Kapazität unter null fallen, wenn die Option nach Kapazität ausgeschaltet ist. Aktivieren Sie die Kapazitätsprüfung explizit, sonst gehen Datensätze an bereits überlastete Personen.
  • Vergessene Betriebszeiten: Die eingebauten Methoden in Unified Routing berücksichtigen die Betriebszeiten der Warteschlange nicht automatisch. Wer die Kalender einbeziehen will, muss eine eigene Methode mit dem Operator "is working" bauen.

Welche Methode wann die richtige ist

Die Wahl folgt einer einfachen Logik. Round Robin passt, wenn Ihr Team homogen ist und die Vorgänge etwa gleich viel Aufwand bedeuten. Dann ist gleiche Stückzahl ein guter Näherungswert für gleiche Last, und Sie sparen sich die Pflege von Kapazitätswerten. Ein Vertriebsteam, das gleichartige Inbound-Leads verteilt, fährt damit oft am besten.

Capacity ist die richtige Wahl, sobald sich die Vorgänge in Größe und Aufwand deutlich unterscheiden oder das Team ungleich ausgelastet ist, etwa im Schichtbetrieb oder bei Teilzeit. Ein Service-Team, in dem ein aufwändiger Case so viel bindet wie fünf einfache Anfragen, braucht Kapazität statt Stückzahl, damit niemand überläuft.

Die regelbasierte Methode lohnt erst, wenn Skills, Regionen, Sprachen oder VIP-Stufen ins Spiel kommen. Sie ist mächtig, aber teuer in Pflege und Test. Als Faustregel gilt: so einfach wie möglich starten, erst Round Robin oder Capacity, und die eigene Methode nur bauen, wenn ein konkreter Bedarf sie erzwingt. Wie sich eine saubere Zuweisung auf die Schlagzahl auswirkt, zeigt der Beitrag zur Produktivität von Vertriebsteams mit Dynamics 365.

Wenn Sie unsicher sind, welche Methode zu Ihrer Team- und Vorgangsstruktur passt oder wie sich Kapazitätsprofile sauber modellieren lassen, sprechen Sie uns an. Wir bewerten Ihr Szenario und richten die Zuweisung so ein, dass sie Last fair verteilt und Datensätze nicht liegen bleiben.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Round Robin und Capacity bei der Zuweisung in Dynamics 365?

Round Robin verteilt Datensätze reihum und berücksichtigt nur, wer am längsten keine Zuweisung mehr bekommen hat. Capacity, in Dynamics 365 Sales als Load Balancing bezeichnet, richtet sich nach der freien Kapazität und vergibt den nächsten Datensatz an die Person mit der geringsten Auslastung. Round Robin sorgt für gleiche Stückzahlen, Capacity für gleiche tatsächliche Last.

Welche Zuweisungsmethoden bietet Unified Routing für Cases?

Unified Routing in Dynamics 365 Customer Service kennt drei sofort nutzbare Methoden: Highest Capacity weist dem Mitarbeiter mit der höchsten freien Kapazität zu, Advanced Round Robin verteilt reihum in fester Reihenfolge, und Least Active berücksichtigt bei Sprach- und Messaging-Kanälen, wer am längsten inaktiv war. Zusätzlich lassen sich über Priorisierungs- und Zuweisungsregelsätze eigene Methoden bauen.

Warum verteilt Round Robin die Leads ungleich?

Weil die Reihenfolge in Dynamics 365 Sales auf Organisationsebene gespeichert wird und auch manuelle Zuweisungen sowie selbst erstellte Datensätze zählen. Wer einen Lead manuell zugewiesen bekommt oder selbst anlegt, rutscht in der Reihenfolge nach hinten. So kann die Verteilung über mehrere Regeln hinweg ungleich wirken, obwohl der Algorithmus fair arbeitet.

Welche Voraussetzungen braucht die Capacity-basierte Zuweisung?

Es müssen Kapazitätswerte gepflegt sein, entweder als einfache Einheiten pro Person oder über Kapazitätsprofile, die pro Vorgangsart einen Verbrauch definieren. Zusätzlich muss die Präsenz der Mitarbeiter aktuell sein und die Verfügbarkeit über den Arbeitszeitkalender abgebildet werden. Fehlen diese Werte, findet das System keine gültige Auslastung und weicht auf Round Robin aus.

Kann ich Round Robin und Capacity kombinieren?

Ja. In Dynamics 365 Sales ist Round Robin automatisch der Tiebreaker, wenn beim Load Balancing zwei Personen dieselbe freie Kapazität haben oder wenn niemand aktuell verfügbar ist. In Unified Routing lässt sich über eine eigene Zuweisungsmethode ein Regelsatz bauen, der erst nach Kapazität sortiert und Gleichstände über Round Robin auflöst.

Läuft die automatische Zuweisung sofort oder verzögert?

Für Konversationen startet ein Zuweisungszyklus sofort bei Eingang. Für Datensätze wie Leads und Cases arbeitet Unified Routing zusätzlich mit einem periodischen Trigger etwa alle fünf Minuten. Änderungen an Präsenz, Kapazität oder das Hinzufügen einer Person zur Warteschlange lösen ebenfalls einen neuen Zyklus aus.

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