Inhaltsverzeichnis
- 1. Worum es hier geht
- 2. Die Ausgangslage: Abwanderung fiel erst spät auf
- 3. Der Bedarf
- 4. Die Lösung: Erkennung, 48-Stunden-Fenster und garantierter Handoff
- 4.1. Auslöser und Ansprache
- 4.2. 48-Stunden-Beobachtungsfenster
- 4.3. Automatische Lösung oder menschlicher Handoff
- 4.4. Anti-Spam-Sperre
- 5. Die Ergebnisse
- 5.1. Erkennungs- und Lösungs-Funnel (kumuliert über 13 Monate)
- 6. Der Mehrwert für den Kunden
- 7. Die Lösung im Überblick
- 8. Über die Aliru GmbH
Worum es hier geht
Dieser Artikel ist ein Praxisbericht aus einem Kundenprojekt. Das Problem darin kennt fast jedes Unternehmen mit vielen Bestandskunden: Ein Kunde hört still und leise auf zu bestellen, und niemand merkt es, bis die Kündigung auf dem Tisch liegt. Bis dahin ist die Rückgewinnung schwer, und das einzige Werkzeug ist oft, jedes betroffene Konto einzeln abzutelefonieren. Das skaliert nicht.
Genau das hat ein Brief- und Paketdienstleister gelöst. Gemeinsam mit Aliru hat er einen Power-Automate-Workflow auf Basis von Dynamics 365 gebaut, der inaktive Kunden automatisch erkennt und reaktiviert. Rund 72 Prozent der Fälle löst er ohne manuelles Zutun, für den Rest garantiert er einen menschlichen Touchpoint. Über 13 Monate ersparte das dem Account Management den Großteil von mehr als 10.000 Einzelanrufen. Dieser Beitrag zeigt Schritt für Schritt, wie der Workflow arbeitet und was dabei herauskam.
Die Ausgangslage: Abwanderung fiel erst spät auf
Der Dienstleister bedient mehrere Kundengruppen im Brief- und Paketgeschäft, darunter Abhol-, Versandhandels- und Prelabel-Kunden sowie per Schnittstelle (FTP/API) angebundene Kunden. Über alle Segmente hinweg hatten Kundenservice und Account Management keinen systematischen Weg, um zu erkennen, wenn ein Kunde leise aufhörte zu versenden.
Ein abwandernder Kunde fiel meist nur zufällig auf, bei periodischen manuellen Reviews oder erst, wenn die Kündigung schon drohte. Zu diesem Zeitpunkt war die Rückgewinnung langsamer und schwerer, und das einzige verfügbare Werkzeug war der manuelle Anruf bei jedem betroffenen Konto, eines nach dem anderen. Diese Methode skaliert nicht über einige hundert Fälle hinaus und bindet erhebliche Kapazität im Account Management.
Der Bedarf
Das Unternehmen brauchte einen Weg, um vier Dinge zugleich zu erreichen:
- Inaktive Kunden automatisch und früh erkennen, über klare, segmentspezifische Regeln (etwa kein Versand seit 7 Tagen für bestimmte Segmente ab einem Vertragsalter von drei Monaten, 28 Tage für Prelabel-Kunden, ein Monat Mindestvertragsalter für per Schnittstelle angebundene Kunden)
- Diese Kunden skalierbar reaktivieren, ohne auf manuelle Einzelanrufe angewiesen zu sein
- Für jeden Fall, den die Automatisierung nicht lösen kann, trotzdem einen menschlichen Touchpoint garantieren, damit keine Kundenbeziehung still verloren geht
- Denselben Kunden nicht überkontaktieren, falls er inaktiv bleibt (Spam-Risiko)
Die Lösung: Erkennung, 48-Stunden-Fenster und garantierter Handoff
Umgesetzt wurde der Prozess als Workflow mit Power Automate, angebunden an Dynamics 365. Er läuft in vier Schritten.
Auslöser und Ansprache
Ein täglicher Regel-Check kombiniert die Tage seit dem letzten Versand (oder das Fehlen jeglichen Versands) mit dem Mindestalter des Vertrags. Passende Kunden erhalten automatisch eine gezielte E-Mail, deren Inhalt je Segment variiert: Nachfrage, warum der Versand stoppte, Angebot eines neuen Prelabels, Link zu Bewertungsportalen, Beschwerdemanagement oder zum Self-Service-Portal für die Prelabel-Bestellung.
48-Stunden-Beobachtungsfenster
Der Flow überwacht danach drei unabhängige Signale, die als „Kunde reaktiviert“ gelten:
- Der Kunde nimmt Kontakt auf, etwa ein eingehender Anruf mit dem Grund „Nichteinlieferer“, eine Antwortmail oder ein anderer, manuell erfasster Kanal
- Der Kunde versendet wieder (Versandvolumen größer null)
- Der Kunde legt eine neue Bestellung an
Automatische Lösung oder menschlicher Handoff
Feuert innerhalb von 48 Stunden eines dieser Signale, schließt der Fall automatisch, ohne manuelle Arbeit. Feuert keines, erzeugt der Flow automatisch eine Aufgabe für den zugewiesenen Account Manager (oder einen Standard-Verantwortlichen, falls keiner zugewiesen ist), vorausgefüllt mit dem Auftrag, den Kunden zu kontaktieren.
Anti-Spam-Sperre
Eine Sperrfrist von drei Monaten verhindert, dass derselbe Kunde zu früh eine weitere Reaktivierungs-Mail erhält.
Zusätzlich wurde ein Grund-Tracking auf den resultierenden Account-Manager-Anrufen eingebaut. Jeder Reaktivierungskontakt erfasst einen dokumentierten Abwanderungsgrund (Geschäftsaufgabe, Vertrags- oder Preisthema, Umzug, Insolvenz, Umstrukturierung, Abholpunkt zu weit entfernt und weitere). So wird aus einem rein operativen Workflow eine Quelle für strukturierte Churn-Intelligenz.
Die Ergebnisse
Kumuliert über 13 Monate, alle vier Flows kombiniert:
- 10.914 automatische Reaktivierungs-Mails ausgelöst, vollständig automatische Erkennung inaktiver Kunden über alle Segmente
- 28 Prozent der Fälle (3.070) erforderten ein Account-Manager-Follow-up, die restlichen rund 72 Prozent lösten sich innerhalb von 48 Stunden automatisch, ohne manuellen Aufwand
- Nur 1.482 Anrufe waren letztlich nötig, gegenüber den 10.914 manuellen Anrufen ohne den Workflow, das sind rund 86 Prozent weniger manueller Anruf-Aufwand (grobe Schätzung: bei etwa 6 Minuten pro Anruf entspricht das rund 940 gesparten Stunden Account-Manager-Zeit über den Zeitraum)
Erkennungs- und Lösungs-Funnel (kumuliert über 13 Monate)
| Schritt | Anzahl | Anteil |
|---|---|---|
| Reaktivierungs-Mails ausgelöst | 10.914 | 100 % |
| Account-Manager-Follow-up nötig | 3.070 | 28 % |
| Anrufe tatsächlich getätigt | 1.482 | 14 % |
In einer späteren Auswertung (578 Account-Manager-geführte Anrufe) zeigten sich zwei weitere Effekte:
- 148 Kunden wurden direkt über die Ansprache reaktiviert, eine Win-back-Rate von rund 26 Prozent auf die kontaktierten inaktiven Konten
- Die über den Workflow erfassten Abwanderungsgründe zeigten: Preis war ein vernachlässigbarer Treiber (unter 1 Prozent der dokumentierten Gründe), während Geschäftsaufgabe (rund 15 Prozent) und natürlicher Volumenrückgang (rund 15 Prozent) dominierten. Eine strategische Erkenntnis, die vor diesem Workflow schlicht nicht messbar war
Der Mehrwert für den Kunden
- Früherkennung statt Zufall: Abwanderung wird erkannt, solange sich der Kunde noch zurückgewinnen lässt, nicht erst wenn die Kündigung droht.
- Skalierbare Reaktivierung: Der Prozess deckt über 10.000 Fälle ab, ohne dass jemand sie einzeln abtelefonieren muss.
- Kein Fall fällt durchs Raster: Was die Automatisierung nicht löst, landet garantiert als Aufgabe bei einem Account Manager.
- Freie Kapazität im Vertrieb: Rund 86 Prozent weniger manuelle Anrufe entlasten das Account Management für werthaltige Gespräche.
- Strukturierte Churn-Insights: Dokumentierte Abwanderungsgründe machen erstmals sichtbar, warum Kunden wirklich gehen, und liefern die Basis für strategische Entscheidungen.
Die Lösung im Überblick
Plattform: Microsoft Dynamics 365 als Datenbasis für Kunden, Verträge und Versanddaten, orchestriert über Power Automate.
Automatisierung: täglicher Regel-Check auf Inaktivität, segmentgerechte Reaktivierungs-Mails, 48-Stunden-Beobachtungsfenster mit drei Reaktivierungssignalen, automatische Aufgaben-Erstellung für den Account Manager, dreimonatige Anti-Spam-Sperre.
Datenqualität: Grund-Tracking auf jedem Reaktivierungs-Anruf als Quelle strukturierter Churn-Daten.
Leistung von Aliru: Konzeption des Reaktivierungsprozesses, Definition der segmentspezifischen Regeln, Implementierung der Flows sowie Aufbau des Reporting- und Grund-Trackings.
Über die Aliru GmbH
Die Aliru GmbH ist eine auf Microsoft Dynamics 365 spezialisierte Agentur aus Mannheim. Wir bauen Automatisierungen mit Power Automate und Dynamics 365, die operative Prozesse skalieren und dabei einen menschlichen Touchpoint garantieren, wo es zählt, von der Früherkennung inaktiver Kunden über die Reaktivierung bis zum strukturierten Churn-Reporting. Sie möchten Abwanderung früh erkennen und automatisiert gegensteuern? Sprechen Sie mit uns.
Häufig gestellte Fragen
Wie erkennt der Workflow, dass ein Kunde inaktiv ist?

Ein täglicher Regel-Check kombiniert die Tage seit dem letzten Versand (oder gar keinen Versand) mit einem Mindestalter des Vertrags. Die Schwellen sind segmentspezifisch, etwa kein Versand seit 7 Tagen für bestimmte Segmente ab einem Vertragsalter von drei Monaten oder 28 Tagen für andere Segmente. So werden inaktive Kunden automatisch und früh erkannt, statt erst zufällig bei manuellen Reviews aufzufallen.
Was passiert im 48-Stunden-Fenster nach der Reaktivierungs-Mail?

Der Flow beobachtet 48 Stunden lang drei unabhängige Signale, die als Reaktivierung zählen: Der Kunde meldet sich (Anruf, Antwortmail oder anderer Kanal), der Kunde versendet wieder (Versandvolumen größer null) oder der Kunde legt eine neue Bestellung an. Feuert eines dieser Signale, schließt der Fall automatisch.
Was passiert, wenn ein Kunde nicht reagiert?

Feuert innerhalb von 48 Stunden kein Signal, erzeugt der Flow automatisch eine Aufgabe für den zugewiesenen Account Manager, vorausgefüllt mit dem Auftrag, den Kunden zu kontaktieren. Ist kein Account Manager zugewiesen, greift ein Standard-Verantwortlicher. So bleibt keine Kundenbeziehung stillschweigend verloren.
Wie wird verhindert, dass Kunden zu oft kontaktiert werden?

Eine Sperrfrist von drei Monaten verhindert, dass derselbe Kunde zu früh eine weitere Reaktivierungs-Mail erhält. Diese Anti-Spam-Sperre schützt die Kundenbeziehung und die Zustellbarkeit.
Welchen strategischen Mehrwert liefert der Workflow über die Reaktivierung hinaus?

Jeder Reaktivierungs-Anruf erfasst einen dokumentierten Abwanderungsgrund, etwa Geschäftsaufgabe, Preis, Umzug oder Insolvenz. In der Auswertung zeigte sich, dass Preis ein vernachlässigbarer Treiber war (unter 1 Prozent), während Geschäftsaufgabe und natürlicher Volumenrückgang dominierten. Diese Churn-Intelligenz war vor dem Workflow nicht messbar.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Worum es hier geht
- 2. Die Ausgangslage: Abwanderung fiel erst spät auf
- 3. Der Bedarf
- 4. Die Lösung: Erkennung, 48-Stunden-Fenster und garantierter Handoff
- 4.1. Auslöser und Ansprache
- 4.2. 48-Stunden-Beobachtungsfenster
- 4.3. Automatische Lösung oder menschlicher Handoff
- 4.4. Anti-Spam-Sperre
- 5. Die Ergebnisse
- 5.1. Erkennungs- und Lösungs-Funnel (kumuliert über 13 Monate)
- 6. Der Mehrwert für den Kunden
- 7. Die Lösung im Überblick
- 8. Über die Aliru GmbH
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